Wissenschaft und Vorteile der Nasenatmung
Die Atmung ist ein grundlegender, aber oft vernachlässigter Aspekt des Lebens, der eng mit unserer Gesundheit, unserer Energie und unserem emotionalen Wohlbefinden verbunden ist. Der Unterschied zwischen Nasenatmung (Atmung durch die Nase) und Mundatmung (Atmung durch den Mund) mag geringfügig erscheinen, kann aber tiefgreifende Auswirkungen auf unseren Körper und unsere Seele haben.
In diesem Überblick werden die wissenschaftlich belegten Vorteile der Nasenatmung beleuchet und du findest Tipps, wie du die Nasenatmung einfach in deinem Alltag üben und etablieren kannst.
Warum ist die Nasenatmung besser?
Die Nasenatmung erfüllt wichtige Funktionen, die die Mundatmung nicht effektiv erfüllen kann. Die Nase filtert, befeuchtet und reguliert die Luft, die wir einatmen, und bereitet sie für eine optimale Sauerstoffversorgung unseres Körpers vor.
Hier sind die wichtigsten Vorteile der Nasenatmung aufgelistet.
1. Filterung und Befeuchtung: Täglicher Schutz der Lunge
Die Nasenwege wirken wie ein natürlicher Luftfilter. Winzige Flimmerhärchen fangen Staub, Allergene und Krankheitserreger ab und verhindern, dass sie in die Lunge gelangen. Außerdem wird die Luft durch die Nasenatmung befeuchtet und erwärmt, was das Risiko von Reizungen und Entzündungen der Atemwege verringert.
Die Nasenatmung reinigt und konditioniert die Luft, die du einatmest, und hilft deinen Lungen, optimal zu funktionieren.
2. Verbesserte Sauerstoffversorgung: Steigerung des Energieniveaus
Die Atmung durch die Nase verbessert die Sauerstoffaufnahme des Blutes. Dies ist zum Teil auf den Widerstand zurückzuführen, der durch kleinere Nasengänge entsteht, die den Luftstrom verlangsamen und die Zwerchfellatmung fördern. Langsamere und tiefere Atemzüge ermöglichen einen effizienteren Gasaustausch in der Lunge. Studien zeigen, dass dies zu einer um 10 bis 20 % höheren Sauerstoffaufnahme im Blut führt (Cottle, 1987; Gilbert, 2014).
Die Nasenatmung stellt sicher, dass der Körper den Sauerstoff erhält, den er für Energie- und Leistungsspitzen benötigt.
3. Produktion von Stickstoffmonoxid: Förderung der Durchblutung und des Immunsystems
Die Nasennebenhöhlen produzieren Stickstoffmonoxid (NO), ein Molekül mit wichtigen gesundheitlichen Vorteilen. Stickstoffmonoxid trägt zur Erweiterung der Blutgefäße bei und verbessert so die Durchblutung und die Sauerstoffversorgung des Gewebes. Außerdem hat es antivirale und antibakterielle Eigenschaften und unterstützt die Immunabwehr. Die Nasenatmung sorgt für eine gleichmäßige NO-Produktion und fördert so die Gesundheit der Atemwege und des Herz-Kreislauf-Systems (Lundberg et al., 1996).
Nasenatmung fördert die Durchblutung und stärkt dein Immunsystem.
4. Stressabbau und Entspannung: Ruhe im Atem finden
Die Nasenatmung aktiviert den Parasympathikus, der Entspannung und Stressabbau fördert. Untersuchungen zeigen, dass der durch die Nasenatmung erzeugte Widerstand zu einer langsameren und tieferen Atmung führt, die das Zwerchfell anspricht und den Geist beruhigt (Bartley, 2005).
Eine langsamere Nasenatmung beruhigt Geist und Körper und hilft, sich entspannter zu fühlen.
5. Schlafqualität: Verbesserung deiner Nachtruhe
Die durch die Nase eingeatmete Luft strömt durch die Nasenschleimhaut. Dadurch werden Reflexnerven stimuliert, die eine regelmäßige Atmung steuern (McCrimmon et al., 2009). Ein Grund, warum Mundatmung zu Schnarchen, Schlafapnoe und unregelmäßigen Atemmustern führen kann, ist die Umgehung der Nasenschleimhaut.
Die Atmung durch die Nase unterstützt eine regelmäßige und gesunde Atmung.
Praktische Tipps für die Nasenatmung im Alltag
Der Wechsel von der Mundatmung zur Nasenatmung kann sich zunächst ungewohnt anfühlen, besonders wenn du es gewohnt bist, durch den Mund zu atmen. Hier sind einige Tipps, wie du die Nasenatmung zu einem natürlichen Teil deiner Routine machen kannst:
1. Achtsam atmen: Mache dir deine Atmung bewusst.
Achte über den ganzen Tag hinweg auf deine Atmung. Lege dafür bspw. eine Hand auf die Brust und die andere auf den Bauch. Versuche, tief und langsam durch die Nase zu atmen, während sich dein Bauch bei jedem Einatmen hebt.
Wenn du dir bewusst fünf Minuten nimmst, kannst du auch die Übung zur >> Bewusstheit des Atems machen.
2. Nasenatmung in das Sporttraining integrieren: Ausdauer natürlich aufbauen
Beginne mit leichten Aktivitäten wie Walking oder Yoga und konzentriere dich dabei auf die Nasenatmung. Gehe allmählich zu anstrengenderen Übungen über und bleibe dabei. Mit der Zeit gewöhnt sich dein Körper daran, die Nasenatmung auch bei intensiveren Übungen einzusetzen.
3. Den Schlaf optimieren: Ruhe und Erholung verbessern
Mundatmung im Schlaf ist eine häufige Ursache für Schnarchen und Schlafstörungen. Indem du auf der Seite anstatt auf dem Rücken schläfst, kannst du die Nasenatmung fördern. Lasse mögliche, zugrunde liegende Probleme wie Schlafapnoe oder chronische Verstopfung der Nase von einem Arzt abklären und ggf. behandeln.
Zu guter letzt
Die Nasenatmung ist eine einfache, aber wirksame Methode, um dein körperliches und mentales Wohlbefinden zu verbessern. Wenn du die Vorteile der Nasenatmung verstehst und praktische Strategien anwenden kannst, kannst du deine Atmung verändern und zu mehr Gesundheit, Entspannung und kognitiver Klarheit gelangen.
Wissenschaftliche Studien unterstreichen die tiefgreifenden Auswirkungen der Nasenatmung: von der Verbesserung der Sauerstoffversorgung und der Immunfunktion bis hin zum Stressabbau und der Unterstützung der Gehirngesundheit.
Fange klein an, bleibe dran und genieße die transformative Wirkung!
Quellen:
- Bartley, J. (2005). Nasal congestion and hyperventilation syndrome. American journal of rhinology, 19(6), 607-611.
- Cottle, M.H. (1987). The work, ways, positions and patterns of nasal breathing (relevance in heart and lung illness). Reprinted in: Barelli, P., Loch, W.E.E., Kern, E.R., Steiner, A. (Eds), Rhinology. The collected writings of Maurice H. Cottle, MD. American Rhinologic Society, Kansas City, Missouri.
- Gilbert, C. (2014). Interaction of psychological and emotional variables with breathing dysfunction. Recognizing and Treating Breathing Disorders, 2nd ed.; Chaitow, L., Bradley, D., Gilbert, C., Eds, 79-91.
- Lundberg, J. O., Weitzberg, E., Lundberg, J. M., & Alving, K. (1996). Nitric oxide in exhaled air. European Respiratory Journal, 9(12), 2671-2680. https://publications.ersnet.org/content/erj/9/12/2671.full.pdf
- McCrimmon, D.R., Mitchell, G.S., Feldman, J.L., Alheid, G.F. (2009). Network control, in: Encyclopedia of Neuroscience, 79-89, Elsevier Ltd.